CptHell´s Seitenblicke

Schicht-G´schicht – seltsame Dinge verschwinden im Nebel des Grauens

Nachtschicht am Feiertag… Na ja kann ja was werden. Herbst ist es auch und die Uhr ist auch umgestellt. (Sinnloser Quatsch übrigens diese Uhrverstellerei!) Es wird also früh dunkel und hell wird es sowieso ganz und gar nicht, weil der Nebel in dieser schönen Stadt hängt. Meine Rolliererei hat mir zum Außendienstleiter verschlagen. Also zuständig für den gesamten Abschnitt Ost, alle elf Reviere – „führen“ wenn mehr als drei Streifen eingesetzt sind, den Außendienst koordinieren. Na ja… Nichts weiter dazu… Ich will den geneigten Leser ja nicht langweilen!

Übernahme also durch, nicht viel los, der Funk brabbelt so vor sich hin. Das Einsatzleitsystem wabert im Hintergrund, nichts besonderes. Hier eine Hilflose, dort ein Unfall, ein paar Hinweise, Streiterei, aber nichts Wildes. Zeit nen Kaffee zu holen und zu überlegen, was man sich leckeres zum Futtern macht. – Nix da – Handy, kein Funk, kein offizieller Auftrag der Einsatzzentral, nein Handy: „… könnten Sie mal bitte bei uns am Einsatzort vorbeischauen, wir hätten da ein paar Fragen zu unserem Einsatz…“ – „Um was geht es genau?“ – „Na ja kommen Sie bitte mal fix rum, der Einsatz in der T-Straße“ Was sagt das Einsatzleitsystem? Schlagwort „Streit“, der Mitteiler hat Lack mit dem Sohn, der vor Kurzem aus dem Bezirkskrankenhaus entlassen wurde. Vier uniformierte Streifen, eine zivile und der Hundeführer vor Ort… Welch Auflauf! Na ja… haben wir uns eben auf den Weg gemacht. Vor Ort ein Bild der Verwirrung. neun Polizisten stehen in einer dunklen, nebeligen Sackgasse vor einem unspektakulären Einfamilienhaus in unspektakulärer Gegend, der betroffene Vater vor der Tür, etwas aufgeregt, sonst nix. Die Zivilen wissen noch, dass im Haus gegenüber etwas seltsame Menschen wohnen, aber auch hier nix wildes – hätten wir uns das mal gemerkt.

Nach einiger Diskussion Entscheidung – wir gehen rein die Wohnung noch immer ruhig, mal nachsehen, was der Pendent dort so treibt. Ist er ein unguter Knochen, kann man ja noch immer die Tür schließen, ihn wursteln lassen und die maskierten holen. Eigentlich kein Problem, wären da nicht die Bedenken einiger Kollegen… Zum Eigenschutz noch schnell das Schutzschild aus dem Auto geholt, die Örtlichkeit mit dem Wohnungsinhaber besprochen und fertig zum Zugriff. Dachten wir. Na ja, wir sind dann wohl doch ausreichend lange direkt vor dem Anwesen gestanden und haben geredet, das schwarze Schaaf kam von selber aus der Höhle. Sowas nennt man dann wohl totgelabert. Eine arme Gestalt, kaputtgekifft und hyperaktiv. Laber laber Rhabarber, die Sackgasse hoch, neun Cops hinterher, die Sackgasse runter, neun Cops hinterher, die Sackgasse wieder halb rauf, da wurde es dann doch endlich einem Kollegen zu bunt. Kurzer Prozess – Zwangseinweisung, Person in das nächstbeste Auto verfrachtet, Situation geklärt, fertig zum Abmarsch. Das nicht benutzte Schild blieb für diese zweieinhalb Minuten an der Eingangstüre zurück – dachten wir. Mal eben hingehen, abholen, Essen holen, oder? Nein, Schild weg. In der Sackgasse in Mitten von allerlei Polizei geklaut. Unglaublich aber wahr. Logo, dass im Haus gegenüber, wo unser wildes Treiben interessiert aus dem Fenster verfolgt wurde urplötzlich keiner mehr daheim war. Ergo, der Nebel des Grauens hat nicht nur unser Schild verschluckt, sondern auch sämtlicher mögliche Zeugen. Was bleibt: Erfahrung: Die Zivilen wissen schon, wo die Schmutzfinken wohnen, ein Einsatz, der von Anfang an totgeredet wird bleibt Mist und irgendein Checker ist jetzt in der Gang der Supermacker, weil er ein Polizeischild an der Wand hat. Anzeige gegen unbekannt und ich muss mir eingestehen, ich wäre in meiner Jugend nicht abgewichst genug gewesen, den Cops mitten aus dem Einsatz das Material zu stehlen.

Heimfahrt

Es ist aber noch mehr im Nebel des Grauens verschwunden:

Es steht ein wohlbekanntes Haus im Nebel des Grauens. Ein Haus, wie eine Pyramide. In ihm wohnen Menschen aller Farbe, aller Rasse, aller Art. Auch hier ist der Nebel des Grauens vorgedrungen und hat SIE benebelt. SIE, die hübsche, quasi die Cleopatra des Hauses. Hat ihr den Dämon des (Ex)Partners geschickt. Mit einem großen großen Hammer, SIE zum nächsten Opfer des Grauens zu machen. Nur war er bei Eintreffen der wackeren Ritter in grün nicht zu sehen. Schlief ja auch, völlig unbenebelt übrigens den Schlaf des Gerechten. Ja, einen Hammer hatte er schon, der sei aber ausschließlich zum öffnen der Dosen da. Wir stellen fest, es gibt für jede Dose einen Hammer zum öffnen. Manchmal täte es auch ein Multitool, aber Hammer geht auch. Ist ja auch lauter. Diesmal ging nur der Sinn und vielleicht auch ein Teil der Wahrheit verloren im Nebel des Grauens. Wir haben sie im Nebel zurückgelassen die Wahrheit, den Hammer, die Dose und alles andere in diesem wundersamen Haus auch.

Weitergewabert durch die Nacht und weitere fleißige Gestalten getroffen. Zum Beispiel den Busfahrer. Der Busfahrer fährt durch den Nebel mit dem Bus, weil er das soll und er seinen Job macht. Am Ende der Welt steht neben der Straße ein kleines Auto, drinnen drei junge Gestalten und weißer Rauch – so der Anruf. Welche Jungs, und warum steht das Auto allein im Graben – so der Funkspruch der ersten Streife vor Ort. Wir fahren auch mal an… ist doch schon eine komische Geschichte, wenn da so einfach mir nichts dir nichts drei Gestalten vom Nebel des Grauens verschluckt werden. Inklusiv der Kennzeichen des Fahrzeuges. Ein armer kleiner B-Corsa übrigens, der seinen ersten Besitzern ganz bestimmt treue Dienste geleistet hat und hier von ein paar jugendlichen Rowdies mehr als schlecht behandelt als Häuflein Elend mit gebrochener Achse neben dem Randstein im Dreck stand. Die Kurve war wohl doch besser als die Fahrkünste des entfesselten 19 jährigen Aushilfsdrifters. Es muss sich um eine Intelligenzbestie gehandelt haben. Kam man doch auf die Idee die arme Polizei zu blenden indem man die Kennzeichen flux abmontiert und sich aus dem Staub macht. So eine Alkohol-Drogen-Fahrt macht sich halt schlecht in der Probezeit. Gut, dass der Gesetzgeber für ein paar Millionen Euronen entschieden hat, alle Autos in der großen wilden Stadtsteppe mit Feinstaubplaketten auszustatten, auf denen man zum Glück auch noch das Kennzeichen des Fahrzeuges vermerkt hat. Auch das hätte man abmontieren müssen. Soweit hat die verrauchte Intelligenz wohl nicht gereicht. Halter rausfinden geht da dann doch recht fix und die Mama an der Wohnadresse anrufen noch fixer – haben wir doch ein Handy. Mama weiß auch wo der Sohnemann ist, nämlich im Nebel des Grauens in der großen Stadt unterwegs heim, in den heimeligen Vorort. Sagt jedenfalls der Sohnemann am Handy im Gespräch mit der Mama. Dumm nur, dass diese Handys immer dann leere Akkus haben, wenn man den genauen Standort sagen möchte. Bleibt die Mannschaft also im Nebel des Grauens verschwunden. Nebeneffekt: Bei den Personenkontrollen im Umfeld am S-Bahnhof haben wir ihn getroffen. DEN CHECKER!

DER CHECKER kommt aus „iMMstadt“ – Immenstadt dachte ich… komische Reise um 0100 in der Früh. Nein, ich bin nur der Sprache DES CHECKERS nicht mächtig. Er meint Innenstadt. Dort, wo der Nebel des Grauens noch dichter ist. Dort ist auch sein Ausweis, sein Geldbeutel und eigentlich alles, außer sein Rucksack verschwunden. Na ja, den Namen hat er behalten und der war auch richtig. 12 Unterlagen wegen Graffiti sagt der Computer, der Gott sei Dank nicht im Nebel des Vergessens steckt. Aber ich greife vor. Weiter in der Story DES CHECKERS. Ausgestiegen drei S-Bahnhaltestellen vorher, unterwegs den Fußweg hierhin gecheckt weil er ja schwarz gefahren ist und die bösen S-Bahnkontrolleure aufgetaucht sind. Der Checkerplan war… weitere drei S-Bahnstationen auf dem Gleis nach Hause laufen. Gute Idee im Nebel des Grauens. Abgefahrene Story. Also doch mal eben den Rucksack GECHECKT. Alles Einwandfrei. Einwandfreie Spraydosen. Schwupp war ein weiterer Bürger im Nebel des Grauens verschwunden, diesmal in Richtung Haftanstalt. EINGECHECKT – AUSGECHECKT. Mittlerweile hat der Nebel des Grauens die drei Corsapiloten auch wieder ausgespuckt. Ist ja auch gemein wenn die Zivilen grad nichts besseres zu tun haben, als mit Mama daheim Kaffee zu trinken. Drogentest und BÄMM! Wieder hat der Nebel des Grauens zugeschlagen, der Führerschein… einfach verschluckt.

Es kommt noch mysteriöser. Oma ruft an. 0230 Uhr. Anderes Ende des Einsatzraumes. Ihr Haus rumort im Nebel des Grauens. Es ächzt wohl unter der Last der wabernden Masse. Damit nicht genug, im Erdgeschoss brennt Licht. Sie macht es aus, der Nebel des Grauens macht es wieder an, sie aus, ES an, sie Angst, sie in das Schlafzimmer, Tür zu, ES draußen, ES rumort. Zugegeben, klang nicht gut. Also los geht´s mit Kavallerie und viel Radau Vollgas an den Ort des Geschehens. Sollten wir das Monster aus dem Nebel hier endlich dingfest machen. Die Tage zuvor hat es schon zugeschlagen unter dem Deckmantel Dämmerungswohnungseinbruch. Da geht dann schon der Jagdtrieb los. 160 Km/h am Mittleren Ring pusht und die Müdigkeit verschwindet im Nebel des Grauens. Nach kurzer Zeit die Einsatzzentrale am Funk: „Leut nach P-Town, macht´s amal langsam! Die Oma hat sich doch noch erinnert, ihr Ehemann wohnt ja auch noch im Haus!“
Tja, da hat der Nebel des Grauens mal Razze-Fazze 50 Ehejahre verschluckt. Bittere Pille für den Hugo, der ohnehin schon unleidig war, da er mitten in der Nacht den Darmdruck nicht mehr ignorieren konnte, erst macht ihm sein treu Angetraute dann auch noch dreimal hintereinander das Licht aus, er muss jedes Mal von der Schüssel hoch (was mit 83 auch anstrengend ist) und wieder anschalten und dann stehen auch noch plötzlich lauter grüne Männchen in der Bude auf der Jagd nach dem Monster aus dem Nebel des Grauens.

Die restliche Nacht kam noch einiges an Diesel, Schlaf und Motivation abhanden. Es ist schon ein wirklich grausiges Monster dort im Nebel des Grauens in der Großstadthölle.

 

 

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2 Responses to “Schicht-G´schicht – seltsame Dinge verschwinden im Nebel des Grauens” »

  1. Kuhsel Says:

    Tag Herr Kollege! :-)

    Ich war dann jetzt auch mal so frei dich in meinem Blog zu verlinken! :-)

    *Melodie von Akte-X pfeif* 😀

  2. CptHell Says:

    Da freu ich mich aber Frau kuhsel! Hoffe ich hab bald wieder was mehr zeit zu bloggen. Dann auf viele Leser!

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